Was ist Karate-Do?

 

Eine Frage, die immer öfter gestellt, meist aber gar nicht richtig oder nur unvollkommen beantwortet wird. Karate-Do ist sicherlich nicht die Kunst Bretter, Steine oder andere Gegenstände mit Händen, Füßen, dem Kopf oder sonst einem Körperteil zu zerschlagen. Weiterhin dient es nicht dazu, andere Menschen (ohne den Grund der Selbstverteidigung) zu verletzen oder zu töten. Es mag zwar sein, das ein geübter Karateka oder ein anderer Kampfkunstexperte in der Lage ist, diese "Taten" leichter zu vollbringen als eine ungeübte Person, dennoch stellen diese weder den Sinn des Karate-Do dar, noch sind sie ein Ziel, das es zu erreichen gilt.

 

Karate-Do ist eine Kunst. Eine Körper- und Kampfkunst und eine Methode der Selbstverteidigung. Sie ist auch ein Weg zur Weiterentwicklung der Persönlichkeit und zur Festigung des Charakters, der schließlich zu einem inneren Wachstum führt. Karate-Do ist somit nicht nur eine Disziplin der Körperbeherrschung, sondern auch eine Schule der Geistesbildung, die einen das ganze Leben lang begleiten sollte. ©1999 von Christian Sroka

 

 

Allgemeines und Etikette

 

Kleidung

Der Karateanzug, Karate-Gi genannt, besteht aus einer weißen Hose, Zubon, und einer Jacke, Uwagi genannt. Dazu trägt man einen gefärbten Gürtel, den Obi. Es wird grundsätzlich barfüßig trainiert. 

 

Körperpflege/Körperschmuck

Es ist ein Zeichen des Respekts seinen Trainingspartnern gegenüber, im Vorfeld für eine angemessene Körperhygiene zu sorgen. Finger- und Fußnägel sollen kurz geschnitten sein. Lange Finger- oder Fußnägel können in Zusammenhang mit einer Technik unangenehme Risswunden zur Folge haben, beim Trainingspartner oder einem selbst. Körperschmuck wie Ringe, Piercings, Ohrringe, Armbänder, Uhren etc. ist ebenfalls abzunehmen oder, falls dies nicht möglich ist, abzukleben.

 

Grundregeln eines erfolgreichen Trainings

  • Pünktlichkeit

  • regelmäßiges Erscheinen

  • respektvoller und sorgsamer Umgang mit dem Partner.

(Wir trainieren miteinander und nicht gegeneinander!)

  • den Ausführungen und Instruktionen des Trainers aufmerksam folgen

  • Konzentration

  • Tragen einer geeigneten Schutzausrüstung beim Randori

 

Trainingsmodule

Das Karatetraining baut auf vier großen Säulen auf:

  • dem Kihon

Schule der Basis- u. Grundtechniken

  • dem Kumite

Kampf; Im Training in der Form des Randoris, also eines Übungskampfes bei dem nicht das Gewinnen im Vordergrund steht, sondern das Üben der erlernten Techniken in einem Miteinander mit dem Partner

  • der Kata

Kampf gegen einen imaginären Gegner mit einem festgelegten Ablauf

  • Der Selbstverteidigung

Techniken, die nur im Ernstfall verwendet werden können und nicht für das Kumite („Wettkampf“) geeignet sind.

  

Der Lehrer/die Schüler

Der Sensei

Als Sensei werden Dan-Träger (schwarzer Gürtel) bezeichnet, die eine lehrende Position innehaben.

Der Sensei ist Trainer, vermittelt also die technisch-körperlichen Elemente des Karate, aber auch Lehrer, der dem Schüler auch die geistigen Inhalte des Karate nahe bringt.

Der Sempai

Als Sempai bezeichnet man einen Schüler, der früher als man selbst mit seiner Ausbildung angefangen hat. Der erfahrene Schüler hat eine Vorbildfunktion und sollte weniger erfahreneren Schülern (Kohai) mit Rat und Tat zur Seite stehen.

 

Begrüßungsritual / Verabschiedungsritual in der Kurzform

  • Aufstellung in einer Reihe, von der höchsten Graduierung (Schwarzgurt) rechts zum niedrigst Graduierten (Weißgurt) links.

  • Sensei kniet sich hin, Sempai und Kohai folgen (linkes Knie zuerst)

  • Sempai leitet die Meditationsphase mit dem Befehl MOKUSO ein

(Nutzt die Phase, um euch mental auf das Training einzustimmen!)

  • Sempai beendet die Meditation mit dem Befehl MOKUSO YAME

  • Sempai gibt das Kommando SENSEI NI RE

  • Es folgt die Verbeugung in Richtung des Sensei (dabei wird zuerst die linke Hand auf dem Boden abgesetzt, dann die rechte)

  • Sensei steht auf, Sempai und Kohai folgen (rechtes Bein zuerst)

  • Hinstellen in Musubi-Dachi (Fersen zusammen, Füße leicht nach außen drehen), Hände an die Außenseite der Oberschenkel

  • Verbeugung (RE)

 

Graduierungen im Shotokan-Karate

Das Gürtelrangsystem teilt sich in zwei große Bereiche. Zum einen das Kyu-System (Schüler) und zum anderen das Dan-System (Schwarzgurte).

Kyu-Grade

9.Kyu weißer Gürtel, 8.Kyu weiß-gelber, 7.Kyu gelber Gürtel, Gürtel 6.Kyu orangener Gürtel, 5. Kyu grüner Gürtel,  4. Kyu blauer Gürtel, 3.Kyu violetter Gürtel

2.Kyu roter Gürtel, 1.Kyu brauner Gürtel

Dan-Grade (Meistergrade)

1. Grad (Shodan) 2. Grad (Nidan), 3. Grad (Sandan), 4. Dan (Godan), 5. Grad (Yondan), 6. Grad (Rokkudan) 7. Grad (Shichidan), 8. Grad (Hachidan), 9. Grad (Kudan), 10. Grad (Judan)

 

  

Geschichtliches

 

 Die Ursprünge des Karate-Do

 

In dem südlich von Japan gelegenen Land, dem früheren Königreich der Ryukyu-Inseln - der heutigen Präfektur Okinawa - stand einst die Wiege des Karate. Niemand weiß, wann auf den Ryukyu das Karate zum ersten mal in Erscheinung trat. In der Vergangenheit wurde diese Kunst von Außenstehenden stets streng geheim gehalten; daher sind uns von ihr keine schriftlichen Nachrichten überliefert. Zweimal in der Geschichte der Ryukyu-Inseln wurden Waffen durch einen Regierungserlass verboten; das erste mal vor über fünfhundert Jahren und ein zweites mal zweihundert Jahre später. Diese Verbote übten natürlich einen bedeutenden Einfluss auf die Entwicklung des Karate aus.[...]

 Die meisten Historiker stimmen darin überein, dass die einzigartige okinawanische Form des waffenlosen Kampfes, das Karate, seine Entstehung diesem zweiten Verbot verdankt, denn es zwang die Einwohner Ryukyus dazu, ein Mittel zur waffenlosen Selbstverteidigung zu finden. Wahrscheinlich sind einige der waffenlosen Kampftechniken schon vor dem Einfall der Satsuma (1609) ausgeübt worden, so dass dieses neue Verbot nur die Fortentwicklung bereits existierender Methoden beschleunigte. [...]

 

 Natürlich könnten auch einige Kenpo-Stile (Kung-Fu Stile) in ihrer ursprünglichen Form überliefert worden sein. Jedenfalls ist es denkbar, dass die beiden Vorläufer des Karate-Do, das Okinawa-te und das To-de, in etwa dieser Weise entstanden sind, wobei sich das Erstgenannte auf die chinesische Kenpo-Tradition, das Letztere dagegen auf einheimische Kampftechniken zu beziehen scheint. Die Geschichte der Kampfkünste in China kann mehr als sechstausend Jahre zurückverfolgt werden. [...]

 

 In dieser kriegerischen Zeit wurden aus der Notwendigkeit heraus, den Feind auf dem Schlachtfeld zu bezwingen, ständig neue Kampfmethoden und Techniken erfunden. Diese alten Kampftechniken wurden erstmals durch die Bemühungen dreier Männer, Ta Shang Lao-ch'un, Ta-yi Chen-jen und Yuan-t'ien, systematisiert. Sie schufen, was man die "Drei Primitiven Schulen der Kampftechniken" nennen könnte. Ihre Systeme wurden über Generationen von Schülern hinweg weitergegeben. Es wurden Verbesserungen vorgenommen, die schließlich zu den hochverfeinerten Techniken unserer Tage führte. [...] Quelle: Auszug aus Karate-Do Nyumon 

 

Entwicklung des Shotokan Karate-Do

 

Funakoshi Gichin, geboren 1868 in Shuri auf Okinawa und ursprünglich als Hauptschullehrer tätig, wird heute als Begründer des Shotokan-Karate angesehen. Sein Stil basiert auf Matsumuras Shorin Ryu. Shoto war Funakoshis Künstlername und bedeutet Pinienrauschen - seine erste eigene Trainingshalle (im Frühjahr 1935 in Tokyo eingeweiht) wurde aus diesem Grund Shotokan genannt. Diese Bezeichnung wurde später für seinen Karate-Stil übernommen. Funakoshi's Zielsetzung war:

 

 Schulung von Geist, Charakter und innerer Einstellung. "Bevor du den Gegner besiegst, musst du dich selbst besiegen.

 

"Man kann sehr sehr lange trainieren, aber wenn man immer nur Hände und Füße bewegt und wie eine Marionette umherspringt, dann ist Karate nicht anders als Tanzen lernen. Man wird die Hauptsache verfehlen. Es wird so nicht gelingen, die Quintessenz des Karate-Do zu begreifen." - Funakoshi Gichin, J. Hyams (1979, 87

 

Wichtig war ihm außerdem auch der Selbstverteidigungsaspekt des Karate. Von Funakoshi stammt die im heutigen Wettkampfkarate kaum mehr beachtete Maxime: "Im Karate gibt es keine erste Hand." (D.h. ein Karateka soll niemals, auch nicht präventiv, zuerst angreifen.)

Funakoshis dritter Sohn Yoshitaka Giko entwickelte 1938-1945 als Hauptlehrer im Shotokan-Dojo tiefere und längere Stellungen und ab 1943 Gohon-Kumite, Sanbon-Kumite und Ippon-Kumite. Insgesamt ein dynamischerer und kämpferischerer Stil. Außerdem den Mawashi-Geri, Yoko-Geri-Kekomi, Yoko-geri-Keage, Ura-Mawashi-Geri und Fumi-Komi. Kase Taiji Sensei entwickelte zeitgleich als Schüler Yoshitakas den Ushiro-Geri und den Keiten-Geri.

 

Professor Nakayama Masatoshi (1913-1987), Schüler von Gichin Funakoshi, studierte 1937-1946 unter anderem in China Kampfkünste. Er gründete 1949 an der Takushoku-Dai Universität mit Nishiyama und Takagi die Japan Karate Association JKA (Nihon Karate Kyokai). Nakayama entwickelte das Jiyu-Kumite welches später die Grundlage für den Wettkampf im Shotokan-Karate darstellte. Die spezielle Form des Kumite ermöglichte eine realistischere Kampfsimulation und eine gute Grundlage für die strategische Analyse, die auch zur Verbesserung der Selbsteinschätzung führte. Die korrekte Ausführung der Techniken wurde durch die Schiedsrichter kontrolliert. Nach dem Krieg war Nakayama Direktor der sportwissenschaftlichen Fakultät der Takushoku-Universität in Tokyo. So kam es erstmals zu einer wissenschaftlichen Aufarbeitung des Karate. Standardwerke wie das reich bebilderte "Dynamic Karate" und die mehrbändige Buchserie „Karate-Perfekt“ entstanden. Sportwissenschaftliche Zusammenarbeit mit Okazaki Teruyuki (* 1931) damals in der JKA, an der Universität von Long Island in New York. Entwicklung von Wettkampfregeln 1951 an der Waseda-Universität mit Oshima. Mitglieder der JKA waren u.a. Kase Taiji, Kanazawa Hirokazu, Enoeda Keinosuke, Tsuyama Katsunori, Shirai Hiroshi, Yahara Mikio, Kawasoe Masao, Tanaka Masahiko, Abe Keiko, Asai Tetsuhiko.

 

Nach dem Tode Funakoshis spalteten sich die Anhänger Funakoshis in zwei Gruppen. Eine ist die Japan Karate Kyokai, die andere die Shotokai von Egami. Egami Shigeru (1912-1981), mehr Mystiker, Schüler Funakoshis, lehnte Nakayamas Weg als zu sportlich ab und gründete 1958 das Shotokai Karate. Shotokai Karate veranstaltet keine Wettkämpfe. Die Katas sind mit den Shotokan-Katas weitgehend identisch. Nach der Abspaltung der JKA veränderte Egami sein Karatekonzept, das sich bisher an Yoshitaka Funakoshis Auffassung anlehnte, wobei er beeinflusst wurde vom Aikido, Tai Chi Chuan, und Qigong. Heute zeigt sich das Shotokai mit extrem tiefen Stellungen, die zur Selbstverteidigung ungeeignet erscheinen. Hier unterscheidet sich die Shotokai stark vom dynamischen Karate der JKA unter Nakayama, die heute versucht zu ihren Wurzeln zurückzukehren.

 

Kanazawa Hirokazu (* 1931), gründete 1974 mit den Meistern Asano Shiro, Miura Masuru, Nagai Akio, Kawasoe Masao und Koga Rikuta die Shotokan Karate International SKI.

 

Professor Kase Taiji (*1929-2004)), gründete 1989 mit Meister Shirai Hiroshi die WKSA in Mailand, die 1999 in die Shotokan-Ryu-Kase Ha Instructor Academy überging. Nach Nakayamas Tod konnte er sich mit der immer weiter um sich greifenden Versportlichung des Karate-Do innerhalb der JKA nicht mehr identifizieren. Am 24.November 2004 starb Shihan Kase. Quelle: wikipedia.de

 

 

 

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